„Und ich wurde ihnen zu einem kleinen Heiligtum…“ Synagogen in Deutschland

10.02.2010 – 25.04.2010

Eine Ausstellung in Kooperation mit der „Bet Tfila-Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa“, einer gemeinsamen Forschungseinrichtung des Fachgebiets Baugeschichte der TU Braunschweig und des Center for Jewish Art der Hebrew University of Jerusalem, mit Unterstützung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Die Augsburger Synagoge ist ein einzigartiges Dokument deutsch-jüdischer Geschichte und die einzige Großstadtsynagoge in Bayern, die die NS-Zeit unzerstört überdauert hat, wenn auch im Inneren verwüstet und zweckentfremdet. Der zwischen 1914 und 1917 nach den Plänen von Fritz Landauer und Heinrich Lömpel errichtete Prachtbau wurde 1985 nach langer Renovierung wieder eingeweiht. Gleichzeitig wurde auch das Jüdische Kulturmuseum gegründet. Wir nehmen das 25. Jubiläum zum Anlass, mit der Ausstellung auf den architektonischen Rang und die historische Bedeutung der Augsburger Synagoge aufmerksam zu machen. Anhand von detaillierten Holzmodellen beispielhafter Synagogenbauten führt die Ausstellung den einstigen Reichtum dieser heute zumeist verlorenen Architektur vor Augen und macht Synagogen als bedeutsame Baudenkmale und als wesentliche Bestandteile des deutsch-jüdischen kulturellen Erbes sichtbar.

Synagogen waren zwischen dem 18. Jahrhundert und dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts mit über 3.000 Lehr- und Bethäusern integraler Bestandteil des deutschen Städtebildes. Unter der nationalsozialistischen Diktatur wurden fast sämtliche ihrer Funktion beraubt und eine große Zahl von ihnen vernichtet. Dass eine Synagoge in der NS-Zeit nicht vollkommen zerstört wurde, ist die absolute Ausnahme und geschah in der Regel nur, wenn die benachbarten Gebäude Nichtjuden gehörten. Auch nach 1945 verschwanden manche dieser Zeugnisse jüdischer Kultur und Geschichte durch Abriss oder Umbau. Die Ausstellung führt den einstigen Reichtum dieser heute zumeist verlorenen Architektur vor Augen und macht Synagogen als bedeutsame Baudenkmale und als wesentliche Bestandteile des deutsch-jüdischen kulturellen Erbes sichtbar.

Detailreiche Holzmodelle beispielhafter Synagogenbauten veranschaulichen die Entwicklung von den Synagogen des Mittelalters über die in Hinterhöfen versteckten Bauwerke des Barock und die ersten im Städtebild sichtbaren klassizistischen und späteren eklektizistischen Bauten bis hin zu monumentalen Bauwerken der Moderne. Beispiele der vielen bescheidenen kleinstädtischen und ländlichen Synagogen werden ebenfalls vorgestellt. Der gleichbleibende Maßstab aller Modelle (1:50) macht es möglich, die Synagogen in ihrer unterschiedlichen Größe und Pracht zu vergleichen. Mit dem Modell der Synagoge in Plauen, die 1929-30 nach den Plänen von Fritz Landauer im Stil des neuen Bauens errichtet wurde, ist ein weiteres Werk des Architekten der Augsburger Synagoge in der Ausstellung zu sehen.

Zur Eröffnung am 10. Februar 2010 um 19 Uhr im Festsaal der Synagoge sprach Professor Dr. Harmen H. Thies, Leiter Bet Tfila – Forschungsstelle, TU Braunschweig.

Pressestimmen: Artikel in der Augsburger Allgemeinen 15.2.10 lesen

Begleitprogramm in Augsburg

03.03.2010, 19.30 Uhr
„Synagoga, scola judeorum, judenschul. Die Synagoge und ihre Architektur im Mittelalter.“
Vortrag von Dr.-Ing. Simon Paulus, Fachgebiet Baugeschichte, TU Braunschweig.

17.03.2010, 19.30 Uhr
„Die Architektur der Reformsynagoge im 19. Jahrhundert in Deutschland.“
Vortrag von Dipl.-Ing. Mirko Przystawik, Bet Tfila – Forschungsstelle, TU Braunschweig.

20.04.2010, 19.30 Uhr
„Auf der Suche nach einer jüdischen Architektur – die Synagoge in Augsburg und ihre Zeit“.
Vortrag von Dr.-Ing. Ulrich Knufinke, Braunschweig.

17.06.2010, 19.30 Uhr
„Die Augsburger Synagogenorgel und der Orgelstreit in Bayern.“
Vortrag von Dr. Benigna Schönhagen.

Führungen durch die Ausstellung am 21.02., 21.03. und 25.04. jeweils um 11 Uhr.